Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen

Ab dem 1. Januar 2027 kannst du dein Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen, ohne Zulagen oder Steuervorteile zurückzuzahlen. Du tauschst Garantie gegen ETF-Rendite und niedrige Kosten. Wie das abläuft, was verloren geht und welche Anbieter den Übertrag planen.

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Die kurze Antwort

Der Übertrag ist förderunschädlich: Das gesamte Guthaben inklusive Zulagen wandert ins neue Depot. Verloren gehen die Beitragsgarantie und ein eventueller Garantiezins, außerdem können beim alten Anbieter bis zu 150 Euro Kosten anfallen, wenn der Vertrag jünger als fünf Jahre ist. Die Entscheidung gilt unwiderruflich für alle deine Riester-Verträge. Für Verträge mit mehr als zehn Jahren Restlaufzeit und ohne hohen Garantiezins ist der Übertrag meist die beste der drei Optionen.

Was das Gesetz regelt

Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, laufen nach altem Recht weiter: 175 Euro Grundzulage, 300 oder 185 Euro Kinderzulage je nach Geburtsjahr, die 4-Prozent-Regel, 2.100 Euro Sonderausgabenabzug. Das nennt das Gesetz Bestandsschutz. Du musst nichts tun, wenn du beim alten System bleiben willst.

Wer wechseln will, gibt gegenüber seinem Anbieter eine Erklärung ab. Sie ist unwiderruflich und gilt für alle bestehenden Verträge, ab dem Beitragsjahr, in dem sie eingeht. Von da an gelten die neuen Förderregeln: bis zu 540 Euro Grundzulage, 300 Euro je Kind, kein Mindesteigenbeitrag nach Einkommen, dafür Auszahlung frühestens ab 65 statt 62.

Das Kapital kannst du dann in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot übertragen lassen, ohne Rückzahlung der Förderung. Der alte Anbieter darf dafür in den ersten fünf Jahren nach Abschluss höchstens 150 Euro verlangen, danach nichts mehr. Außerdem muss er dir die Hälfte der gezahlten Abschluss- und Vertriebskosten erstatten. Auf das übertragene geförderte Kapital darf der neue Anbieter keine Abschlusskosten erheben.

Was du gewinnst und was du verlierst

Gewinn

  • Anlage in ETFs statt in Garantiefonds oder Deckungsstock, mit entsprechend höherer Renditeerwartung
  • Laufende Kosten von unter 0,5 Prozent statt 1,5 bis 3 Prozent bei vielen Riester-Versicherungen
  • Neue Zulagensätze, wenn du weiter einzahlst: bis 540 Euro statt 175 Euro Grundzulage
  • 30 Prozent Teilkapital zu Rentenbeginn und Auszahlplan statt zwangsweiser Verrentung
  • Keine 4-Prozent-Regel mehr: 120 Euro im Jahr reichen für die Zulage

Verlust

  • Beitragsgarantie: Im Altersvorsorgedepot gibt es keine Garantie, Kursverluste sind möglich
  • Garantiezins und Rentenfaktoren alter Versicherungsverträge
  • Bis zu 150 Euro Wechselkosten in den ersten fünf Vertragsjahren
  • Auszahlung frühestens mit 65 statt mit 62 bei Altverträgen
  • Die Entscheidung gilt für alle Verträge und lässt sich nicht zurücknehmen

So läuft der Übertrag

Die Details legen die Anbieter bis zum Start fest. Der Rahmen steht im Gesetz.

  1. Zahlen beim alten Anbieter anfordern

    Guthaben, Summe der Zulagen, Garantiewerte, laufende Kosten, Rechnungszins. Mit diesen Zahlen rechnest du auf der Seite Riester kündigen oder wechseln durch, ob der Übertrag vorn liegt.

  2. Neuen Anbieter wählen

    Ein Anbieter, der das Altersvorsorgedepot zertifiziert anbietet und den Riester-Übertrag abwickelt. Die Übersicht steht im Anbieter-Vergleich; die Spalte Riester-Übertrag zeigt den Stand.

  3. Altersvorsorgedepot eröffnen und Übertrag beauftragen

    Ab Januar 2027. Der neue Anbieter holt das Guthaben beim alten ab, ähnlich wie bei einem Depotübertrag. Du gibst dabei die Erklärung zum Wechsel ins neue Fördersystem ab.

  4. Sparrate neu festlegen

    150 Euro im Monat holen die volle Grundzulage, 25 Euro je Kind die Kinderzulage. Was darüber hinausgeht, bringt keine Förderung mehr.

  5. Steuererklärung prüfen

    Der Sonderausgabenabzug läuft über die Anlage AV weiter, mit den neuen Höchstbeträgen: 1.800 Euro Eigenbeitrag plus Zulagen.

Anbieter, die den Übertrag angekündigt haben

Auszug aus dem Vergleich, Stand laut Anbieterseiten. Vollständige Tabelle im Anbieter-Vergleich.

AnbieterStatusDepotgebühr p. a.Sparplan / OrderETF-AuswahlStandarddepotRiester-Übertrag
Trade RepublicNeobroker Vormerkung möglich 0 € Depot Sparplan 0 €, Einzelorder 1 € (freies Depot) Standarddepot: mehrere Dutzend ETFs ohne Produktkosten; freies Depot: breite Auswahl ja, 90/10 Aktien/Anleihen, anpassbar geplant, digital Zum Anbieter
Scalable CapitalNeobroker Vormerkung möglich 0 € Depot Sparplan 0 €; Order 0 € (Standard), 0,99 € FREE / 0 € PRIME+ (frei) Standarddepot: ETF-Kosten bis Ende 2027 erlassen, danach max. 0,15 %; frei: große Auswahl ja ja, ab 1.1.2027 kostenlos Zum Anbieter
INGDirektbank Vormerkung möglich noch nicht veröffentlicht ab 10 € im Monat; Kosten offen „Relax“: 2 ETFs mit Umschichtung; „Aktiv“: breitere Auswahl ja („Relax“) im Laufe 2027 Zum Anbieter
comdirectDirektbank Vormerkung möglich noch nicht veröffentlicht ab 10 € im Monat; Kosten offen Standard-AVD: 2 ETFs; „Flexibel“: Auswahl ja ja Zum Anbieter
DKBDirektbank Vormerkung möglich noch nicht veröffentlicht Kosten offen Standarddepot mit 1-%-Kostendeckel angekündigt ja ab Januar 2027 im Banking Zum Anbieter
Smartbroker+Neobroker Vormerkung möglich 0 € Depot Sparplan 0 €; Order 0 € ab 500 € über gettex, sonst 1 € Standarddepot: 3 Welt-ETFs, ETF-Kosten 3 Jahre erstattet (bis 25.000 €) ja ja Zum Anbieter
quirionRobo-Advisor Vormerkung möglich keine Kontogebühr zum Start Standard: 2 Vanguard-ETFs (0,07/0,08 %), ETF-Kosten mindestens im 1. Jahr erstattet Standarddepot; „Pro“ Preise vor 1.1.2027 ja ja Zum Anbieter
FondsSuperMarktFondsvermittler angekündigt Standarddepots von FNZ, FFB, DWS; 100 % Rabatt auf Ausgabeaufschläge offen je nach Depotbank ja ja, kostenfrei Zum Anbieter

Stand: 18. Oktober 2026. Konditionen können sich ändern, maßgeblich sind die Angaben des Anbieters.

Häufige Fragen

Muss ich beim Übertrag Zulagen zurückzahlen?

Nein. Die Übertragung von Riester-Guthaben in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot ist förderunschädlich. Zulagen und Steuervorteile bleiben im Vertrag. Das unterscheidet den Übertrag von der Kündigung.

Ab wann geht das?

Ab dem 1. Januar 2027, sobald der neue Anbieter ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot anbietet und den Übertrag abwickelt. Scalable Capital nennt den 1. Januar 2027, die DKB den Januar 2027 im Banking, die ING das Laufe des Jahres 2027. Vorher lässt du den Vertrag laufen oder stellst ihn beitragsfrei.

Was verliere ich beim Übertrag?

Die Beitragsgarantie und bei Versicherungen den garantierten Rechnungszins sowie eventuelle Rentenfaktoren. Außerdem können beim alten Anbieter in den ersten fünf Jahren nach Abschluss bis zu 150 Euro Wechselkosten anfallen. Dafür bekommst du ETF-Rendite, niedrigere Kosten und die Regeln des neuen Systems, etwa die Auszahlung ab 65 mit 30 Prozent Teilkapital.

Gilt die Erklärung für alle meine Verträge?

Ja. Wer in das neue Fördersystem wechselt, gibt gegenüber dem Anbieter eine unwiderrufliche Erklärung ab, die für alle bestehenden Riester-Verträge gilt. Ab dem Beitragsjahr des Wechsels gelten für diese Verträge die neuen Förderregeln. Nach dem Gesetzeswortlaut beendet auch der Neuabschluss eines Altersvorsorgedepots den Bestandsschutz der Altverträge.

Kann ich den Riester-Vertrag behalten und zusätzlich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?

Nach dem Gesetz gilt die Entscheidung für das neue System für alle Verträge. Ein Riester-Vertrag nach altem Recht neben einem neuen Altersvorsorgedepot ist danach nicht vorgesehen. Wer unsicher ist, klärt das vor dem Neuabschluss mit dem Anbieter.

Lohnt sich der Übertrag kurz vor der Rente?

Meist nicht. Bei weniger als zehn Jahren Restlaufzeit hat die höhere Renditeerwartung wenig Zeit, und die Garantie des alten Vertrags greift bald. Der Rechner auf der Seite Riester kündigen zeigt den Unterschied für deine Zahlen.